Ganz in Gottes Gegenwart leben ist gut; aber noch besser ist’s, Gottes Willen zu tun, denn das umschließt auch den Mitmenschen.
Vinzenz von Paul (1581-1660)

Herzlich willkommen ...

... auf der Seite der Föderation Vinzentischer Gemeinschaften. Dies ist das Portal der Barmherzigen Schwestern bzw. Vinzentinerinnen von Augsburg, Freiburg, Fulda, Heppenheim, Hildesheim, Innsbruck (mit Meran und Treviso), Mananthavady, München, Paderborn, Strasbourg, Suwon, Untermarchtal, Wien und Zams.

14/06 2016

Das Ende des Schweigens - Orden stellen sich ihrer Verantwortung

Eingeladen hatte unter diesem Tagungstitel Sr. Elisabeth Halbmann, die Generaloberin der Vinzentinerinnen von Untermarchtal, zu zwei Tagen Erfahrungsaustausch und Information rund um das Thema psychische, physische und sexualisierte Gewalt im Alltag kirchlicher Heime zwischen dem Kriegsende und den 1970er Jahren sowie seine Auswirkungen bis ins Heute.
Gekommen waren Frauen und Männer, die als Leitungskräfte oder als Präventionsbeauftragte in den Nachfolgeeinrichtungen der Frauenorden beschäftigt sind, verantwortliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den diözesanen Fachstellen sowie Vertreterinnen aus einigen Frauenorden, die sich gemeinsam mit dem Vorbereitungsteam und einem ehemaligen Heimkind auf den zweitägigen Prozess des Erfahrungsaustausches und des gemeinsamen Gebetes eingelassen haben.

Um miteinander diskutieren und gemeinsam nach Antworten suchen zu können, wurden wir mit Zahlen, Fakten und Ursachen des Missbrauchs in seinen unterschiedlichen Ausprägungen konfrontiert. Das Verstehen und Annehmen, warum unsere Institutionen attraktiv waren und es bis heute für Täterinnen und Täter sind, sowie die Tatsache, dass Ordensschwestern selbst in diesen Strukturen zu Täterinnen werden konnten, war ein wesentliches Erleben.
Wir beschäftigten uns mit Täterstrukturen und Täterpersönlichkeiten, nahmen uns Zeit für die Ausstellung des Landesarchivs „Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949-1975“, beschäftigten uns mit der individuellen Aufarbeitung bei den Opfern sowie mit den individuellen Anforderungen an Mitarbeitende mit Klienten-Kontakt heute.

Uns wurden mögliche Formen der Erinnerungskultur, Anforderungen an eine liturgische Würdigung sowie die pastorale Verantwortung der Einrichtungen vorgestellt, um die Tabus zu brechen, Verantwortung zu übernehmen und dieses dunkle Thema ans Licht und an die Luft bringen zu können. Exemplarisch wurde uns der Weg der systemischen Aufarbeitung in der Benediktinerabtei Ettal mit Hilfe der Ludwig-Maximilian-Universität München vorgestellt.

Wir durften von den Erfahrungen der Vinzentinerinnen aus Untermarchtal profitieren, die uns von ihrem Prozess der Aufarbeitung erzählt haben, der zwischen Überraschung, Horror und Chaos lag.

Ergänzt wurde die umfangreiche Thematik durch den Film „Freistatt“, der ebenso wie die Wortbeiträge des ehemaligen Heimkindes und dieThemenbeiträge in den einzelnen Vorträgen die ungeschönte Situation darlegte.

Schließen möchte ich mit Worten aus dem Einladungsflyer. „Als Ordensgemeinschaft stellen wir uns der Verantwortung, dieses traurige Kapitel unserer jüngeren, auch eigenen Geschichte aufzuklären – das sind wir nicht nur den ehemaligen Heimkindern schuldig. Wir wollen verstehen, was dazu geführt hat und welche Konsequenzen das für unsere Zukunft und unseren Umgang mit dieser Geschichte hat. Missbrauch soll nie wieder geschehen.“
Sr. Stefanie Kallenborn T.d.c.L., Präventionsbeauftragte

24/03 2016

"Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen"

Eine weltweite Initiative der Vinzentinischen Familie zum 400. Jubiläum des Vinzentinischen Charismas im Jahr 2017
Im Jahr 2017 feiern wir den 400. Jahrestag der Geburt des Vinzentinischen Charismas. Als Vinzenz im Jahr 1617 in der Pfarrkirche von Chatillon predigte, ermahnte er seine Gemeinde, Verantwortung für eine arme Familie zu übernehmen, die ernsthaft krank war und Nahrungsmittel und Beistand brauchte. Die Familie wurde durch die überwältigende Reaktion auf diesen Aufruf gerettet, und Vinzenz hatte durch dieses Ereignis die Erkenntnis gewonnen, dass die Liebe gut organisiert werden muss, damit sie effektiv ist. Ein Ereignis, das die Welt in den letzten 400 Jahren verändert hat.
Diese Geschichte lässt einen Evangelientext lebendig werden, der das Herzstück unserer Vinzentinischen Berufung bildet, den Vers aus dem Matthäusevangelium (Mt. 25,35): „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“
Wenn wir uns ausstrecken und den Fremden in unserer Mitte helfen, zeigen wir Solidarität mit dem Ereignis von Chatillon und werden eins mit unserer vinzentinischen Berufung - und geben dem Beispiel des Barmherzigen Samariters in unserer Gemeinschaft eine Gestalt.
Wer sind heute die Fremden in unserer Mitte? Es gibt eine so große Bandbreite zur Auswahl. Da sind die Flüchtlinge, die vor Gewaltherrschaften und Armut fliehen, jene die innerlich heimatlos sind, auf-grund von Bürgerkriegen in ihrem Land, Migranten, die sich ein neues Leben aufbauen wollen, Heimatlose, die entweder mit körperlichen oder seelischen Krankheiten allein zurechtkommen müssen, jene, die unter Diskriminierung leiden auf Grund ihrer Religion, ihrer Rasse oder Hautfarbe, die Einsamen und die Verwundbaren, sowohl Alte wie Junge. Viele dieser Menschen und Problemen sind für die weltweite Vinzentinische Familie schon sehr vertraute Arbeitsfelder. Könnten wir trotz allem noch mehr tun? Tauchen neue Formen der Armut, auf die wir gerufen sind zu antworten?
Aus Anlass des 400. Geburtstagsjubiläums des vinzentinischen Charismas möchten die Leiter der internationalen Vinzentinischen Familie alle Mitglieder der Vinzentinischen Familie auf der ganzen Welt dazu einladen darüber nachzudenken, wie wir in unseren Gemeinschaften die Fremden noch mehr willkommen heißen, indem wir dies zum Schwerpunkt des 400. Jubiläums des vinzentinischen Charismas machen.
Das Jahr zum „Willkommen der Fremden“ wird vom 1. Januar 2017 bis zum 31. Dezember 2017 gehen. Den Startschuss hierfür wird Gregory Gay, der Generalsuperior der Missionskongregation, am 15. Mai 2016, dem Pfingstfest, geben.
Dieses Datum ist besonders für unsere Vinzentinische Familie von Bedeutung. Es kennzeichnet das Ende des Jahres der Zusammenarbeit, das einen Aufruf zur Aktion startete, und uns einlud, konkrete Wege zu entdecken, wie wir uns den Fremden in unserer Mitte zuwenden können. Es verbindet uns auch noch tiefer mit der weltweiten Kirche, die unter der Führung von Papst Franziskus ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit feiert.
Ab dem 15. Mai 2016 werden die internationalen Verantwortlichen der Vinzentinischen Familie dafür Verantwortung tragen, einen Prozess der Reflexion und Beratung in Gang zu bringen mit ihrem Zweig der Familie und dabei eng mit den nationalen und regionalen Gruppen zusammen arbeiten. Wir laden sie ein, ihren Blick auf folgende Fragen zu konzentrieren: Wer sind die Fremden in unserer Mitte? Wie unterstützen wir sie gegenwärtig? Welche neuen Nöte tauchen auf? Wie sollten wir auf diese Nöte reagieren? Könnten wir die Fremden sein, die willkommen geheißen werden sollten?
Diese Beratungen und die Ideen, die dabei auftauchen, werden es jedem Zweig der Vinzentinischen Familie ermöglichen, bis Oktober 2016 einen Plan zu entwickeln, der 2017 verwirklicht werden soll. Diese Arbeitspläne werden dann an die Kommission zur Zusammenarbeit der Vinzentinischen Familie weitergereicht, die dann weltweit Aktivitäten koordinieren und unterstützen wird, durch die Herstellung von Materialien, die zum Nachdenken und auch zur Feier anregen und auch das Jahr und die Aktivitäten auf der FAMVIN-Website unterstützen. Diese Kommission wird einen Abschlußbericht über die Ergebnisse und die Wirkung dieser Initiative Mitte 2018 vorlegen, so dass wir die Ergebnisse unserer Aktion weltweit beurteilen können.
Da wo die Vinzentinische Familie starke Verbindungen mit der Basis hat, ermutigen wir die Familie mit lokalen, regionalen oder auf internationalem Gebiet zusammen zu arbeiten. Wie es schon Vinzenz von Paul selbst erkannte, sind wir da am Besten und Effektivsten, wo wir zusammenarbeiten.
Die Fremden in unserer Mitte willkommen zu heißen, sollte auch als Einladung an alle jene gesehen werden, die jetzt schon unsere vinzentinischen Werte, unsere Sendung und unsere Spiritualität teilen oder daran interessiert sind. Die Menschen, denen wir gegenwärtig dienen, sind wie wir in der Lage, die Fremden willkommen zu heißen, wenn wir sie dazu einladen. Dieses Tun hängt nicht an Macht, Reichtum oder an der Hierarchie. Jedermann hat die Möglichkeit, Teil unserer Familie zu sein und mit uns im Laufe dieses Jahres an unseren Feierlichkeiten teilzunehmen.

Büro der Vinzentinischen Familie, Philadelphia, März 2016

Weitere Meldungen im Archiv

28/04 2016

MEGVIS: Schlaglichter auf die Barmherzigkeit

Es kommt wenig überraschend: Auch die diesjährige Tagung der MEGViS (Mitteleuropäische Gruppe Vinzentinischer Studien) beschäftigte sich vom 29. bis 31. März in Untermarchtal bis mit dem großen Begriff Barmherzigkeit.

Schon die Einstimmungsrunde am Dienstag, die in bewährter Weise Sr. Elisabeth vorbereitet und angeleitet hat, stimmte uns auf dieses unerschöpfliche Thema ein. In Gruppen waren die 68 Teilnehmenden eingeladen, die Buchstaben des Wortes mit wichtigen Haltungen und Eigenschaften zu ergänzen – schon da waren alle beeindruckt, welch große Bandbreite zum Vorschein kam.

Nach der österlich-frohen Liturgie in der Vinzenzkirche begann die Tagung mit dem Grußwort des Generalsuperiors Gregory Gay CM, das sein Assistent Pater Giuseppe Turati vortrug. Dann ging es im ersten Schwerpunktvortrag um die biblischen Grundlagen. Regens Monsignore Andreas Rieg stellte Barmherzigkeit als Eigenschaft Gottes und ein Gebot für die Menschen vor und begab sich auf Spurensuche im Alten und Neuen Testament.

Eindrucksvoll stellte er ausgehend von den Begriffen, die die biblischen Texte verwenden, dar, dass die Barmherzigkeit Gottes Zeichen ist für seine unverbrüchliche Bundestreue, die er auch angesichts der Untreue der Menschen nicht aufgibt. Schon die Sprache verweist darauf, dass es stark um ein emotionales Angesprochensein geht. So verwenden beispielsweise die Synoptiker das Wort „splanchnizomai“. Damit wird beschrieben, dass das Elend eines anderen „die Eingeweide umdreht“, also tief betroffen macht und zum Handeln drängt. Weil Gott dem Menschen in freier Entscheidung mit Barmherzigkeit entgegenkommt, ist dieser aufgerufen, selbst Not ungeschönt wahrzunehmen und sich dem anderen zuzuwenden. Der Referent unterstrich: „Der Indikativ geht dem Imperativ voraus“ – Gott tut immer den ersten Schritt der Barmherzigkeit auf uns zu.

Am Nachmittag gab es – wie im vergangenen Jahr – eine „Rundreise“ zu drei Themenschwerpunkten. Dabei bildete die Frage, inwieweit die Evangelischen Räte uns helfen, Barmherzigkeit zu leben, den roten Faden.

Sr. M. Katharina Mock beleuchtete das Gelübde der Armut. Sie stellte dar, dass aus dem Evangelium motivierte Armut nach dem Vorbild Christi das Ziel hat, zur Freiheit zu führen und die Fülle des Lebens zu finden. Aus dieser Perspektive ist es entscheidend, das zu teilen, was mir zur Verfügung steht und dem anderen Teilhabe zu ermöglichen. Dabei kommt in den konkreten Lebensrealitäten unserer Gemeinschaften der Aspekt, eigene Armut anzunehmen, heute wohl stärker zum Tragen. Dennoch bleibt die Ermutigung des heiligen Vinzenz gültig. „Die Liebe ist bis ins Unendliche erfinderisch.“

Sr. Johanna Stocker setzte sich mit dem Gelübde der Ehelosigkeit/Keuschheit auseinander. Zunächst zeichnete sie die Bedeutungskomponenten der verwendeten Begriffe nach: Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen als Freiheit zum Lassen, Keuschheit als Freiheit zur Transparenz, Jungfräulichkeit als Freiheit zur Hoffnung. Sie verwies darauf, dass das Leben nach den Evangelischen Räten ein Sehnsuchtsweg ist und bleibt, der in Erinnerung hält, dass wir uns nicht selbst genügen können. Er lädt dazu ein, auf Gott hin über sich hinauszuwachsen. Unterstützt durch dieses Gelübde  kann Barmherzigkeit gelebt werden als tiefer Respekt vor der Würde des anderen.

Pater Alexander Jernej CM führte in den Gehorsam ein, indem er das Gehorsamsverständnis des heiligen Vinzenz im Dialog mit seiner Zeit beleuchtete. Er stellte heraus, dass das Verständnis von Gehorsam im engen Zusammenhang mit dem Gottesbild steht. Da wir an einen Gott der Barmherzigkeit glauben, können wir den Willen Gottes lieben, und Gehorsam wird in die Freiheit der erlösten Kinder Gottes führen. Die speziell vinzentinische Note dieses Gelübdes liegt darin, dass der Gehorsam den Armen gebührt, die unsere Herren sind. So wird der Gehorsam Weg dahin, das „eine Notwendige“ zu finden, nämlich uns zu den Armen führen zu lassen und die Barmherzigkeit zu tun.

Am Abend rundete ein Weg durch verschiedene Stationen des Friedensweges auf dem Klostergelände diesen dicht gefüllten Tag in wohltuender Weise ab. Das Gehen im Beten, Schweigen und Singen ließ viele Impulse nachklingen und sich setzen.

Der Donnerstagvormittag stand unter dem Thema „Vinzentinische Beständigkeit in einer unbeständigen Welt“.  Pater Daniel Pilario CM war aus Manila gekommen. Dort ist er Theologieprofessor und zugleich Seelsorger für eine Pfarrgemeinde, die an einer Mülldeponie angesiedelt ist und zu der vor allem Menschen gehören, die ihren Lebensunterhalt aus dieser Deponie beziehen.

Zunächst stellte er dar, was unsere Welt heute so unbeständig und instabil sein lässt: Terror, Flüchtlingsbewegungen, Gewalt. Darauf kann es aus Sicht von uns Christen und erst recht auf den Spuren des heiligen Vinzenz nur eine Antwort geben: Barmherzigkeit. Allerdings ist diese Tugend eher in Vergessenheit geraten, so Pater Pilario. Dazu hat zum einen die Theologie selbst beigetragen, die das Streben nach Vollkommenheit stark in den Focus gerückt hat. So soll die Kirche nach Worten von Papst Franziskus eher einem Feldlazarett gleichen: Es hat keine feste Struktur, sondern ist beweglich; dort werden Verwundete so weit versorgt, dass sie überleben. Es ist kein Ort, an dem Spezialisten für ausgefeilte Therapien anzutreffen sind.

Dies lässt sich immer wieder im Leben von Vinzenz und Louise nachvollziehen: Dieses Angezogen-Werden von den Armen und Notleidenden führte die Stifter zu unterschiedlichsten Entscheidungen. So entschloss sich Louise angesichts der Not, zu bleiben und Vinzenz ab 1629 bei seinen Missionen zu unterstützen. Bei der Madagaskarmission hingegen war Vinzenz fest davon überzeugt, dass es Zeichen der Zeit war, zu gehen, hinauszufahren. Diese Spannung kann es für uns heute genauso geben: Heißt „Beständigkeit“ Bleiben, Treue, Konstanz oder ist eher der missionarische Geist des Aufbruchs gefragt aus Solidarität mit den Armen?

Für Vinzenz und Louise stand Gottes Barmherzigkeit im Mittelpunkt, der Blick galt dem armen Jesus und der Person des Armen. Alles Verfügbare – persönlich und materiell – sollte in den Dienst der Barmherzigkeit gestellt werden.

Wichtig war Pater Pilario zu betonen, dass bei Vinzenz die effektive Liebe, die oft im Zentrum unserer Überlegungen steht, unbedingt verbunden sein muss mit der affektiven Liebe. So stellte er die Frage, ob wir einen persönlichen Zugang zu den „Armen“ haben, in deren Dienst wir stehen. Kennen wir sie wirklich persönlich? Wissen wir um entscheidende Ereignisse ihres Lebens? Kennen wir ihren Geburtstag? Wie viel Zeit verbringen wir mit ihnen?

Schließlich lud er uns dazu ein, die Werke der Barmherzigkeit in unsere heutige Lebensrealität zu übersetzten. So könnte z.B. „die Hungrigen sättigen“ bedeuten, sich für eine gerechte Verteilung von Lebensmitteln einzusetzen und im eigenen Konsumverhalten bewusst und nachhaltig zu handeln.

Am Nachmittag war das Anliegen, das reiche Saatgut, das in diesen Tagen ausgestreut worden war, nochmal wirken zu lassen und konkrete Schritte für das (gemeinsame) Weitergehen herauszukristallisieren. Dies geschah mit der Methode des „Weltcafés“, bei dem die Teilnehmenden in kurzen Einheiten in verschiedener Zusammensetzung nochmals einzelne Aspekte dieser Tage vertiefend diskutierten.

Mit dem Dank des Vorsitzenden, Pater Norbert Ensch, an die Gastgeberinnen aus Untermarchtal und alle Teilnehmenden endete das Programm der Tagung und erhielt seinen Schlusspunkt in der  gemeinsamen Vesper.

Sr. M. Veronika Häusler

08/02 2016

Das Netz enger knüpfen

2016 lud Generalsuperior Gregory Gay wieder zum Familientreffen ein: vom 22. bis 24. Januar versammelten sich Vertreter unterschiedlichster vinzentinischer Gemeinschaften zum Austausch und zur Planung weiterer gemeinsamer Unternehmungen.

Bereits am Morgen des 22. Januar fand sich das neu ins Leben gerufene „Exekutivkomitee“ zusammen. Um die Zusammenarbeit unter den Zweigen der FAMVIN zu stärken, hat der Generalsuperior im vergangenen Jahr neue Strukturen etabliert. So gibt es nun ein Büro, in gewisser Weise mit unserer „Zentralstelle“ vergleichbar, zu dem ein Lazarist aus den USA (Father Joseph Agostino CM), eine Tochter der Christlichen Liebe aus den USA (Sr. Marge Clifford FC) und ein Pater aus Nicaragua (Pater Flavio Pereira Tercero CM) gehören.

Dieses Büro wird von einer Steuerungsgruppe unterstützt („Exekutivkomitee“), die aus den vier vinzentinischen Kerngemeinschaften besteht (Kongregation der Mission, Töchter der christlichen Liebe, AIC, Vinzenzkonferenzen). Zu diesem Kern hat Father Gregory für 2 Jahre 3 Gemeinschaften berufen, die in besonderer Weise die Arbeit der FAMVIN unterstützen und weiterentwickeln sollen. Es ist dies die Gemeinschaft der Brüder der Barmherzigkeit, die Föderation der Amerikanischen Barmherzigen Schwestern – und unsere Föderation.

So waren Sr. Blandine und ich gleich mitten drin im FAMVIN-Geschehen: Die beauftragten Arbeitsgruppen berichteten über ihre Arbeit. Da ist zunächst die Arbeitsgruppe, die die Hilfsmaßnahmen in Haiti koordiniert, die Kommission für den Systemischen Wandel, der durch Fortbildung und gemeinsame Planung Projekte im Armendienst fruchtbarer werden lassen will. Zudem wird die Homepage der FAMVIN gerade im größeren Stil umgestaltet, um sie internationaler und kommunikativer zu machen. Auch hierzu gab es eine anschauliche Einführung. Zuletzt berichtete die Arbeitsgruppe, die sich insbesondere um die Zusammenarbeit und die Vernetzung in der FAMVIN bemüht, über ihre Projekte. So haben in vielen Ländern bereits Workshops für Multiplikatoren stattgefunden – von der Föderation hatte Sr. Luise Ziegler in Paris teilgenommen. Ein zweiter Schwerpunkt war das anstehende Jubiläum 2017: 400 Jahre sind es dann, dass Vinzenz in Chatillon und Folleville den Grundstein für das vinzentinische Wirken gelegt hat. Dazu gibt es vielfältige Vorschläge, wie die einzelnen Zweige der FAMVIN konkret vor Ort dieses Gedenken gestalten können. Ab März 2016 werden auch wir in der Föderation umfangreiches Material und Aufgaben bekommen – und dann in geeigneter Weise darüber nachdenken, wie wir in unserer Umgebung das Jubiläum gestalten können.

Zudem berichtete Father Gregory über die drei Gemeinschaften, die ihm als Generalsuperior zusätzlich zur Kongregation der Mission direkt zugeordnet sind: die Jugendgemeinschaft Vinzentinisch-Marianische Jugend, die Laienmissionare Misevi und die Vereinigung von der Wundertätigen Medaille – alle drei Gemeinschaften gibt es in Deutschland und Österreich leider (noch) nicht. 

Dann ging das Treffen in der kleinen Runde im Großen weiter: 72 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen, um über die Vernetzung und Zusammenarbeit in der FAMVIN zu sprechen und konkrete Schritte zu vereinbaren. Dies geschah diesmal schwerpunktmäßig in kleineren Gruppen, was eine intensivere Arbeit möglich machte.  John Darley von der Vereinigung „DePaul International, die vorrangig Obdachlose unterstützt, teilte mit uns grundsätzliche Überlegungen zum Thema Zusammenarbeit. Dabei floss vieles von seiner persönlichen Erfahrung als verantwortlicher Manager in einem internationalen Ölkonzern ein, mit der er die Zusammenarbeit in der FAMVIN beleuchtete.

Schließlich ging es darum, für den je eigenen Zweig einen konkreten Vorsatz zu formulieren, der im Rahmen des Abendgebetes feierlich dem Generalsuperior übergeben wurde. Der Abend gehörte nochmals einer Diskussionsrunde, in der noch offen gebliebene Aspekte diskutiert werden konnten.

Am Sonntag wurden auch der großen Gruppe die Berichte der Arbeitsgruppen vorgestellt. Leider endete das Treffen auch  mit einer Verabschiedung: da die Kongregation der Mission im Sommer einen neuen Generalsuperior wählen wird, wird Father Gregory das nächste Mal nicht mehr dabei sein. Die Delegierten verabschiedeten ihn mit sehr großer Dankbarkeit – er hat sich mit sehr großer Kraft und Kreativität für die Förderung und Stabilisierung der FAMVIN eingesetzt und alle Bemühungen unterstützt, noch weitere „Familienmitglieder“ zu ermitteln und einzuladen. Auch unserer Föderation ist er wirklich freundschaftlich verbunden.

Zugleich war dieses Treffen auch die Gelegenheit, die neue Generaloberin der Töchter der Christlichen Liebe, Sr. Kathleen Appler, kennen zu lernen – mit ihr und ihrer Assistentin Sr. FranÇoise Petit gab es von Beginn an ein unkompliziertes und herzliches Miteinander.

Das Treffen auf Ebene der internationalen Familie ist immer eine große Bereicherung und ein großes Geschenk, zeigt es doch, dass wir Teil eines viel größeren Ganzen sind. Dies ist Ermutigung und Ansporn zugleich, unseren Beitrag in unseren Rahmenbedingungen zu leisten und der Kraft des vinzentinischen Charismas auch im Hier und Jetzt zu vertrauen.

Schwester M. Veronika Häusler